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Klimawandel und Forstwirtschaft

Der Wald und die Forstwirtschaft stehen vor großen Herausforderungen hinsichtlich der Anpassung an zu erwartende und bereits eingetroffene Klimaänderungen. Nach weit verbreiteter Meinung und den Erfahrungen aus den Jahren 2018 bis 2020 übersteigen die Risiken bei Weitem die positiven Nebeneffekte. Die Waldgesellschaften und die waldwirtschaftlichen Behandlungsmodelle werden und müssen sich daher verändern. Z.B. reichen die bisherigen Merkmale zur Beschreibung forstlicher Standorte nicht mehr aus. Die Standortkartierung muss um Faktoren erweitert werden, welche die Veränderungen des Klimas berücksichtigen. Viele Versuchsanstalten verfolgen diesbezüglich bereits Forschungsansätze mit dynamischen Standortmodellen [1].

Gefahren drohen dem Wald und der Forstwirtschaft u. a. durch eine Häufung von Trockenperioden, welche zu einer verstärkten Anfälligkeit gegenüber Schädlingen führen kann. Ebenso steigt die Waldbrandgefahr. Wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat, treten Sturmereignisse in immer kürzer werdenden Abständen auf. Buche und Fichte werden mittelfristig aus weiten Teilen Deutschlands verschwinden [2]. Weitere Baumarten könnten in den Fokus rücken, wie bspw. die Douglasie oder die Roteiche. Insgesamt wird die Entwicklung von standortangepassten, mehrschichtigen Mischbeständen immer wichtiger. Beispielsweise sind dann von einer Käferkalamität nur bestimmte Bereiche eines Bestandes betroffen oder es steht die nächste Generation von Bäumen nach einem Sturmwurfereignis schon in den Startlöchern.

Der Klimawandel könnte aber auf gut wasserversorgten Standorten auch Vorteile mit sich bringen. Denn verlängerte Wachstumsperioden und eine Temperaturerhöhung wirken sich dann wachstumssteigernd aus.

Ausdruck von Klimaänderungen können nach [1] u.a.:

  • eine Verlängerung der Vegetationsperiode,
  • Winterwärme bzw. eine Veränderung des Frostregimes,
  • steigendes/sinkendes Grundwasser,
  • Trockenheit, Hitzewellen und Waldbrand,
  • neue und vermehrt auftretende bekannte Schaderreger,
  • Sturm und Starkregen,
  • Symbiontenregime sowie
  • mehr Winterniederschläge

sein.

[1] Bolte et al. (2009), Klimawandel und Forstwirtschaft – Übereinstimmungen und Unterschiede bei der Einschätzung der Anpassungsnotwendigkeiten und Anpassungsstrategien der Bundesländer, Online auf http://www.waldundklima.net, Zugriff am 8. Juni 2018.

[2] Jahrmärker, Jörg 2020: Waldsysteme brauchen Entwicklungszeit, Land & Forst, Nr. 31, S. 48ff.